Bekanntmachungen und Mitteilungen des Hess. Kultusministeriums

ABl. 9/96 S. 496

Stellungnahme der Sektion Kinder- und Jugendsport des Deutschen Sportärztebundes (DSÄB) – Stand: 21. 6. 1996 

 

Kinder und Jugendliche mit „Kreislauflabilitäten“ werden bedauerlicherweise häufig vom Schulsport freigestellt. Gleichzeitig wird ihnen jedoch oft „mehr Bewegung“ empfohlen. Mit dieser Stellungnahme soll gezeigt werden, welchen positiven Effekt Sport auf die Kreislaufinstabilitäten des Kindes hat. [ ... ] 

3. Einfluss einiger Sportarten auf die Vasomotorik 

Laufen 

Laufen ist eine klassische dynamische Belastungsform. Während des Laufens wird der Blutdruck überwiegend durch die Herzleistung stabilisiert. Am Ende der Belastung kann es jedoch aus den o. g. Gründen zum raschen Blutdruckabfall kommen. Da bei dieser körperlichen Tätigkeit die Vasodilatation im Vordergrund der Vasomotorik steht, haben längere Läufe ohne gymnastische Zwischenphasen keinen wesentlichen Trainingseffekt auf das periphere Gefäßsystem. 

Schwimmen 

Schwimmen ist eine Belastungsform mit dynamischen und statischen Anteilen. Gleichzeitig, wird die Gefäßfüllung durch den hydrostatischen Druck beeinflusst. Sportmedizinische Untersuchungen ergaben eine zusätzliche Beeinflussung des Gefäßwiderstandes durch eine erhöhte Katecholaminausschüttung, insbesondere von Noradrenalin. Schwimmen hat einen sehr großen Trainingseffekt auf das periphere Gefäßsystem. 

Turnen/Gymnastik/Zirkeltraining 

Dies sind Sportarten mit einer Mischung von statischen und dynamischen Anteilen. Dementsprechend tritt ein rascher Wechsel in der Vasomotorik auf. Diese Sportarten haben einen guten Trainingseffekt auf das periphere Gefäßsystem. 

Radfahren 

Der zyklische, dynamische Bewegungsablauf aktiviert die Muskelpumpe und verbessert daher die aktuelle Kreislaufsituation. Auch wenn kein ausgeprägter Wechsel zwischen Vasodilatation und Vasokonstriktion eintritt, ist diese Sportart als Kreislauftraining zu empfehlen. 

Sprungübungen, Wurfübungen 

Diese Sportarten können ohne Einschränkung durchgeführt werden. Sie zeigen zwar keinen Effekt für das Gefäßtraining, wirken sich aber auch nicht negativ aus. [ ... ] 

4. Freistellung – Teilfreistellung vom Schulsport wegen Kreislauflabilität 

Einerseits gehört zwar eine vermehrte körperliche Betätigung zum klassischen Repertoire der ärztlichen Empfehlungen, andererseits werden jedoch unverändert zahlreiche Kinder und Jugendliche wegen einer orthostatischen Dysregulation oder sog. Kreislaufstörungen vom Schulsport freigestellt. 

Eine Freistellung vom Schulsport kann für die ersten 8 Wochen der Therapie bei Kindern mit schweren Regulationsstörungen berechtigt sein. Es sollte aber immer nur eine Teilfreistellung ausgesprochen werden, da manche Sportanteile die Vasomotorik in erheblichem Maße positiv beeinflussen (s. o.). 

5.

Prävention statt Therapie gilt auch für die orthostatische Dysregulation Die arterielle Hypotonie und dazugehörig die orthostatische Dysregulation spielen auch im Erwachsenenalter eine große Rolle. Medikamente können nur eine vorübergehende Besserung herbeiführen. Es muss daher versucht werden, alle Mittel und Wege einzusetzen, um bereits im Kindesalter die Vasomotorik durch entsprechende Aktivitäten zu üben. Auch unter diesem Aspekt wird die Bedeutung und der Wert der täglichen Sport- und Spielstunde deutlich. 

Pausenhöfe müssen so gestaltet werden, dass sie spontan zu Spiel und Bewegung verlocken und damit den Kreislauf aktivieren. 

Sportstunden haben die Aufgabe einer körperlichen Forderung und Förderung. Sie unterbrechen sinnvoll die Monotonie des Schulablaufs und zwingen das Gefäßsystem zu „seinem Spiel“. Der Erwachsene wird davon profitieren.